THEATER IM LENDBRÄUKELLER
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DIE ERÖFFNUNG DIE BEICHTE FELIX MITTERER
SCHLOSSSPIELE MITTERHART
12. OKTOBER 2006

"ZWISCHEN LIEBE UND HASS"

Nicht Täter oder Opfer, nicht die  Suche nach einem Schuldigen, keine Schwarz-Weiß-Malerei. Es geht um den Menschen in all seiner Verletzlichkeit und der Sehnsucht nach Liebe. Doch die Grenze zwischen Liebe und Hass ist hauchdünn.

Jeder unserer kleinsten und unwichtigsten Gedanken, Worte und Taten haben alle Konsequenzen im gesamten Universum. Wirf einen Stein in einen Teich – er lässt Bewegungen über die ganze Oberfläche des Wassers wandern. Die Kreise verschmelzen ineinander und erzeugen neue. Alles ist unauflösbar ineinander verwoben.

Daher: kein Naturalismus einer Beichtstuhlsituation, sondern ein Opfertisch. Die Schauspieler sind androgyne „Menschenkörper“, die ihre Geschichte immer wieder an den anderen weitergeben. Alle Personen sind vollkommen gleichwertig. Es geht nicht um Beruf oder Stand. Es  ist nicht wichtig ob Pfarrer oder Lehrer, ob Vater oder Bruder, Mann oder Frau. Es geht um die Behauptung wie drei „Menschenkörper“ funktionieren. Die Kirche ist nur der Aufhänger.

Es ist für mich wichtig, statt auswendig Gelerntes aufzusagen – inwendig Gespürtes zu leben; statt großkotzig und überheblich herunter zu schauen – aufzustehen, weiterzugeben und zu transportieren.

Regisseur Markus Plattner

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KOMMENTAR VON FELIX MITTERER

Markus Plattner inszeniert seit zehn Jahren meine Stücke und alle seine Aufführungen werden mir (und dem Publikum) immer in Erinnerung bleiben. Da gibt es nichts Laues, Halbherziges und Beliebiges, da gibt es keine Durchhänger und keine Langeweile, alles geht an die Nieren und in die Magengrube, manchmal bis an die Grenzen der Erträglichkeit. Markus Plattner inszeniert vollkommen aus dem Bauch heraus, aus der Tiefe seiner Emotionen, in denen sich die Emotionen der Figuren spiegeln. Bei all dem Extremen, bei all dem gnadenlosen Psychokrieg, der hier stattfindet, bemerken wir, dass Markus Plattner in seine Protagonisten förmlich hinein kriecht, dass er sich mit ihnen identifiziert und sie deshalb auch versteht und liebt. Für mich ist er einer der besten Regisseure, die wir in Österreich haben.

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ZUM STÜCK

Uraufführung bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs am 24. Juli 2004. Das im studio Tirol des ORF produzierte gleichnamige Hörspiel wurde vom Publikum zum „Hörspiel des Jahres“ gewählt. Außerdem erhielt es auch den „Prix Italia“ als bestes Hörspiel unter den Einsendungen aus der ganzen Welt.

Den Anstoß dazu gab eine1999 im irischen Fernsehen gesendete Dokumentarfilmserie über jugendliche Missbrauchopfer in kirchlich geführten Waisen-, Erziehungs- und Schülerheimen in Irland und nicht die skandalösen Zustände im Priesterseminar St. Pölten, die erst im November 2003 bekannt wurden und den traurigen Beweis lieferten, dass das Thema leider auch in Österreich aktuell ist.
Das Stück behandelt die Abrechnung eines Mannes mit sich selbst und einem Priester, der ihn einst sexuell missbraucht hat. Denn er ist gegenüber seinem eigenen Kind selber zum Täter geworden. Mitterer thematisiert hier nicht Homosexualität, die erst recht wieder in den Bereich der Marginalisierung gerät, sondern Zärtlichkeit und Zuwendung als Basis zur Entwicklung einer gesunden Persönlichkeitsstruktur. Er zeigt die Kirche mit ihren menschenfeindlichen und unzeitgemäßen Zölibatvorschriften, die erwachsene Männer und Kinder in bittere Einsamkeit zwingt und Frauen als handelnde Personen ausgrenzt.

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ZUR AUFFÜHRUNG

REGIE Markus Plattner DARSTELLER  
REGIEASSISTENZ Susanne Schartner Pater Eberhart Reinhard Forcher
BÜHNENBILD Christian Kreiderer Martin Ernst Schnöller
KOSTÜME Silvia Fritz Kind Juliane Haring
MASKE Rudi Sieb
Barbara Hölzl
   
LICHTDESIGN Ralf Wappler    
SOUNDDESIGN Mike Moll    
TECHNIK Daniel Winkler    
PRODUKITONSTEAM Andreas Mair
Bernadette Mair
Susanne Schartner
   
 
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